Mittwoch, 20. April 2016

Reisen II

Reisen II

zögere ruhig
zögern ist ruhe
sieh in den spiegel
sehen ist schwer
fass deinen schmerz
fahre den schacht
deiner inneren sohle
entlang

Dienstag, 19. April 2016

Der große Ausbruch II

Der große Ausbruch II

Geschrieben wird, was ich meine.
Gemeint wird, was ich schreibe.
Gefolgt wird, wer meine
Meinung produziert.

Und wenn du die Kneipe verlässt
Hast du auch die Welt verlassen.
In der zweiten wirst du verletzt,
Hier wirst du sie und werden sie dich
hassen.

Montag, 18. April 2016

plantage

plantage
läuft immer
westlich der kaffee
bringt wachsam in unsere
plantage

Sonntag, 17. April 2016

Wann ist genug?

Wann ist genug?

Für die neue Vermessung des Orients sendet man
Eine Handvoll Soldaten, verpflichtet zu Demokratie
Und dem westlichen Wert, in Islamdiktaturen als Ziel
Die Verbessrung der Welt in ein Land, dem man Öl entwenden kann.

Nur durch Arbeit und Sinn ein Gefühl von Verdienst geschafft
Hat der Starke Staat Panzer und Glauben im Fernsehn verstaut,
Überwachung (zur Sicherheit), Tod mittels Drohnen erlaubt
Und den Konservativen die Tugendmär: Reichtum durch eigene Kraft.

Nicht genug, sie verdienen mehr Geld mit der Schreibtischtat,
Und das Risiko geben sie ab, die es planen am Brett.
Ihren Sieg beim Gesellschaftsspiel kriegen sie immer zuletzt.

Sich zu zügeln ist schwach: so die kapitalistische Art,
Du musst wollen, um etwas zu kriegen. Bist du jemals zufrieden
Bedenke dies: Krieg kommt von kriegen. Das reimt sich auf siegen.

Samstag, 16. April 2016

ironisch

ironisch

soll das jetzt satire sein
lakonisch wetzt dein helferlein
die scheren und setzt an
mich zu beschneiden

soll das jetzt satire sein
du präsident sagst kleinlich nein
und wehrsam bleibe dran
kunst zu vertreiben

soll das jetzt satire sein
die echten richter prüfen fein
die mehrheit aber dich
ich bleib bescheiden

Freitag, 15. April 2016

Je mehr?

Je mehr?

Wie wir dich besiegen, Tod
Konnten wir nicht finden
Sitzen jetzt in deinem Boot.
Und du musst nur Grinsen.

Wir haben nie gesessen, Tod
Geruht nicht, seit wir dachten
Dass MEHR, Mehr, mehr uns dann verschont.
Und du kannst nur Lachen.

Wir haben gearbeitet, bis in den Tod
Kapital über Freunde gescheffelt.
Wir sagten uns täglich: ist alles im Lot.
Und du bist am Lächeln.

Wer hat uns belogen, Tod?
Geld. Es speichert vergossene
Zeit, die uns am Ende droht.
Und du bist verschlossen.

Donnerstag, 14. April 2016

deinsmeins

deinsmeins

manchmal
stehen
wir ein
ander
nah

so nah
dass uns
das licht
zusammen
trifft

treffen
schatten
schmelzen
hell und
dunkel

ein

Mittwoch, 13. April 2016

umdrehen II

umdrehen II

sonntag kam geschlichen
die nacht hat ihn gemacht
aufstehn? nein. ich wuchte
gedankenlos den wanst
herum und ein gesicht
fremd und schlafend schön
berührt mich
an der nasenspitze

Dienstag, 12. April 2016

Kaisertreu

Kaisertreu

Parade: wir gucken uns einmal im Jahr
Aus der Nähe mit tausend andern,
Die jubeln, das Kaiserpaar an.

Dem Lappen gelingt nichts im Kameralicht
Da wär Ich besser Kaiser geworden;
Verblödete Gören hat der.

Wer zückt die Pistole, beleidigt den Mann?
Will der Krieg? Krieg mit Deutschland! Mein Land
Folgt jubelnd dem Kaiserpaar dann!

Montag, 11. April 2016

schein

schein
gereicht, bezahlt
im gegenseitigen glauben,
dahinter stecke mehr als
schein

Sonntag, 10. April 2016

Heldentod

Heldentod

Wenn dein Cape ein Lätzchen ist
Bist du meistens zuhause
Nachwuchs lässt keine Pause.
Wenn du aber männlich bist
Gibt das keine Applause.

Männer sind in der Klause
Denken, du wärst noch wie sie
Kein Geschlechts-Banause
Weil: darauf vertrau'n'se
Täglich, ständig im Betrieb.

Wertvoll sei nur ihr echtes Tun,
Kinderzieher hau'n'se
In ihr Glas wie Brause.
Fürchten: Wird niemals andersrum...

Samstag, 9. April 2016

Gedankenübertragung

Gedankenübertragung

und auf einmal bin ich 30
und sehe, höre, schmecke
wie die mutter fühlte
wie die mutter dachte

und sie sagte, sie war 30
und sah dann, hörte, schmeckte
wie die mutter fühlte
wie die mutter dachte

das hab ich nicht geglaubt

Freitag, 8. April 2016

Farbig

Farbig

Farbenfrohes Jahreskleid
Hat Grau zu Gelb gemacht.
Blau ist Gelb geworden
Und ich hab nachgedacht,
Was Dunkelheit verborgen hat,
Hat mein Blindenband befreit.

Donnerstag, 7. April 2016

Literaturkritik

Literaturkritik

Flammenhitze schlägt mit Fäusten ins Gesicht
Der schwachen Gedanken, Gemüter.
Sagt keiner: wir werden sie nicht wieder
Abtransportieren wie Güter.

Flammenzunge leckt den Geist, am Rathausplatz
Betrachten wir jubelnd die Bücher.
Sagt keiner, dass es uns nicht kratzt, aber
Schweigen ist sicherlich klüger.

Mittwoch, 6. April 2016

schlafen, bei

schlafen, bei

getrunken, getanzt, bei % geschlafen.
dem nachtrausch entkommen? nicht ganz
verkatert erwachen zieht sich bis mittags
und bei wird durch mit leicht ersetzt.

Dienstag, 5. April 2016

Gastrecht

Gastrecht

Willkommen im Bahnhofsmilieu,
Wo wir strunzdämlich hocken,
Tagein tagaus.

Zugeflatter erdulden.
Um Brötchenstücke
Müssen wir zicken
Bevor wir sie picken.
Heischendes Murren.
Es warnt

Nicht vor Markierung
Unausgewählter Besucher.
Sie zucken im Bahnhofsmilieu.

Montag, 4. April 2016

Sonntag, 3. April 2016

Dokumentarisch

Dokumentarisch

Die Kamera folgt dem Weisen in seine Höhle,
Ein kleines Einzimmerappartment
Im Plattenbau-(sagt man jetzt)-"Basement".
Der Toningenieur hört eine Nachbarin grölen.

Im Studio sichtbar: das wird eine geile Location;
Fürn Fernsehbildschirm natürlich.
Dabei ist nichts davon wirklich:
Erschaffen sind Weiser und Team und im Keller das Kreischen.

Erfunden ist auch der Moment des Betretens, gefunden
Im Kopf eines Dichters. Er leimt die
Erinnerungslücken, vereint sie
In Worten mit Lesersichtstücken und hält sie gebunden.

Der Moment ist erdacht, bloßes Gedankengeflecht,
Irreale Geschichte - aber macht ihn das weniger echt?

Samstag, 2. April 2016

In der Collage

In der Collage

Kunst oder Schrott
dazwischen, inmitten
Ich -
vor schweigender
Hintergrundstadt-
kulisse

Was kann weg?
Was bleibt hier?
alles
lebt geschieden
von den Vorbei-
Gleit-Bahnen

Freitag, 1. April 2016

Zeit ist Geld

Zeit ist Geld

Ich lieg auf meinem Speicher rum
Und kann mir doch nichts kaufen
Ich bin doch nur ein Schleicher, drum
Muss ich in Arbeit ersaufen.

Ich lieg auf meinem Rücken, krumm
Hat ihn die Last gebogen.
Wie lang geh ich auf Krücken - wumm!
Wer hat sie weggezogen?

Ich lieg auf meiner Zunge, stumm
Bedaure ich die Zeiten
Bis ich tatlos und vermummt
Aus dem Leben gleite.